Vom Eindruck der Dinge und ihrer Veränderung

Alles war riesig – selbst die normale große Eingangstür schien überproportional zu sein, obwohl das Gebäude drumherum größer war, als alles was ich kannte, schien sie nicht die Dimensionen der Türen zu haben, die mir aus dem 15 Kilometer entfernten Dorf vertraut waren. Selbst die Tür der Grundschule und der dazugehörigen Sporthalle schien nicht als Vergleich herhalten zu können. Kinder sind leicht zu beeindrucken. Und beeindruckt war ich tatsächlich: nicht nur von den riesigen Hallen in denen größenwahnsinnige Maschinen standen, die im Takt Marx’scher Entfremdung an einem Ende etwas einsogen und am anderen Ende auswarfen. Dabei war das noch die gute alte Zeit. Gut kann ich mich an die ganzen seltsamen Buchstaben aus Blei erinnern, an das Wort „Setzkasten“, das ich lernte, während der Chef Kekse reichte oder einlud die Eier im Hühnerstall einzusammeln. Überraschenderweise war auf der Wiese hinter den Hallen ein kleiner Verschlag für wenige Hühner, an deren Stelle heute noch mehr Hallen stehen, die mehr riesige Maschinen beherbergen, von deren Geschwindigkeit die marxistische Theorie einfach überlaufen worden wäre, wäre sie nicht längst nur noch etwas für Menschen im Turm, der letztendlich doch nur gesprengt wurde … heute gibt es also keine Eier mehr, keine Hühner oder Anekdoten. Keine lehrreichen Unterweisungen des Chefs, der die Post abholte und dabei dem Kind eines seiner Angestellten erklärte, wie wichtig es ist, Situationen zu antizipieren, mitzudenken und aufmerksam zu sein – hätte er es so gesagt, hätte ich es nicht verstanden und hätte wohl nur geschwiegen (hätte ich nicht eh schon nur geschwiegen). Zum Glück war es viel beispielhafter und direkt aus der Lebenswelt eines Kindes. Es beinhaltet eine Straße, Autos, ein Ball der auf den Asphalt springt, ein Kind, das ihn holen will und den Umstand, dass Kinder eigentlich nie alleine Ball spielen, ein Freund wahrscheinlich ist.

 

Für einen Siebenjährigen ist es wahrlich ein fantastisches Abenteuer Samstagmorgen um sechs Uhr in die Nachbarstadt zu fahren und eine Schicht lang zu arbeiten.

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