Von der Zeit inmitten des Treibens

Nichts als Vogelgezwitscher, ein sanftes Rauschen des Tempelhofe Damms und hin und wieder das Geräusch, das entsteht, wenn ein Schuh gegen einen nicht prall aufgepumpten Ball tritt. Vermutlich einer dieser Bälle, von denen schon die Hälfte aller Patches abgefallen ist – vielleicht auch nur Sozialromantik. Jedenfalls: irgendwie ist die Stadt grün, leise, voller Vögel und anderer Tiere. Es erinnert an Kindheit, an Sommerferien: das größtmögliche Gefühl von Zeitlosigkeit und Utopie. Nie war ich zeitloser, als in diesen Tagen ohne Schule – sechs Wochen waren noch lang genug, um zu vergessen, wann es anfing und wann es aufhören wird. Irgendwo dort fängt Freiheit an. Nicht die Reisefreiheit, die Bewegungsfreiheit oder frei von Gewalt und Verfolgung zu sein, sondern die der Zeit: Zeitfreiheit. Wie ich finde ein durchaus unterschätztes Moment im Diskurs (wobei Harmut Rosa gegenwärtig in aller Munde zu sein scheint). Ohne Zeit lässt sich Bewegungsfreiheit nicht einlösen, lässt sich Wohlstand nicht positiv erfahren (während die Abwesenheit von Gewalt, Hunger und Not durchaus genossen, aber nicht positiv erfahren werden – zumeist). Wenn also das Gefühl der Zeitnot wächst, spiegelt sich hierin eine Unfreiheit, die so vielleicht nicht bedacht wurde. Eigentlich hörten die Sommerferien nie auf – bis die Schule wieder anfing.
 
Dann wieder irgendwie innere Eile, ganz ohne Deadline, ohne müssen-weil-sonst, ohne etwas, das wirklich dringlich ist und getan werden muss. Einzig dieses Taktgefühl im Inneren treibt voran, durch den Raum der Stadt, irgendwohin Unbestimmtes. Ich weiß nicht, wann ich es internalisierte, wann es mir zu eigen wurde, mich grundlos voran trieb.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.